Die Sozialität der Solitären
Gruppen und Netzwerke in der Bildenden Kunst
Dados Bibliográficos
| ID | 20081895 |
|---|---|
| Autores | Hans Peter Thurn (autor correspondente) |
| Ano | 1997 |
| Páginas | 81-122 |
| Data de publicação | 1997-01-01 |
| Peer Reviewed | Sim |
| Open Access | Sim |
| Tipo | CHAPTER |
| Periódico | Bildmacht und Sozialanspruch (SOURCE_BOOK) |
| Editora | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-322-93314-0_6 |
| OpenAlex | W2252868456 |
| ISBN | 9783322933140 |
| Idioma | EN |
| Referências citadas | 2 |
Im Jahre 1888 schrieb der fünfunddreißigjährige Maler Vincent van Gogh an seinen Freund Emile Bernard einen Brief, in dem er mutmaßte, es werde das Bemühen, „der gegenwärtigen Malerei zu ihrem vollkommensten Ausdruck zu verhelfen..., die Kraft eines einzelnen Individuums überschreiten“1. Infolgedessen sei damit zu rechnen, daß solche Meisterwerke „wahrscheinlich durch Gruppen von Menschen geschaffen werden, die sich zusammentun, um eine gemeinsame Idee auszuführen.“ Van Gogh wußte, worüber er sprach: Er war nach Arles, von wo er diesen Brief absandte, gekommen, um gemeinsam mit dem verehrten Paul Gauguin zu leben und zu arbeiten. Er suchte die künstlerische Erfüllung in sozialer Verbindung mit Gleichgesinnten. Im Schreiben an den Freund tastet er das Pro und Contra dieses Weges ab, den er generell für notwendig hält und der gerade ihn in den Konflikt mit dem Kollegen Gauguin und in die persönliche Katastrophe führt. Doch auch die Gefahr solchen Scheiterns in der Beziehung ahnt van Gogh. Es gebe „Grund genug“, so gibt er sich und Bernard zu bedenken, „um den mangelnden Korpsgeist bei den Künstlern zu bedauern, welche einander kritisieren, verfolgen, glücklicherweise ohne einander vernichten zu können“2. In diesen Worten spricht van Gogh über sein persönliches, zwischen Einsamkeit und Freundschaftssehnsucht schwankendes, Schicksal hinaus eine der Grundfragen künstlerischer Existenz an: Wie und inwieweit kann, darf und soll der künstlerisch Schaffende sich in Leben und Arbeit mit Gleichgestimmten verbinden? Auf welche Weise vermag er seinen Wunsch nach künstlerischer Sozialität in Einklang zu bringen mit dem Bedürfnis, das Werk vor allem als persönliche Aussage zu formulieren? Wieviel Gemeinschaftsbindung verträgt der ausgeprägte Individualcharakter künstlerischen Lebens und Arbeitens? Wie sind Kosten und Nutzen für jenen Künstler verteilt, der sich mit gleichgesinnten Kollegen zu jenen von van Gogh erhofften „Gruppen“ oder gruppenähnlichen Verbindungen gesellt
Art · Humanities · Emile Durkheim and Sociology · German Social Sciences and History · Philosophy · Sociology and Education Studies
| Velocidade de citação | historical |
|---|---|
| Altamente citado | Não |