Das politische Konzept von Gustavo Gutiérrez
Dados Bibliográficos
| ID | 23484607 |
|---|---|
| Autores | Joseph Ratzinger (autor correspondente) |
| Ano | 1986 |
| Páginas | 9-12 |
| Data de publicação | 1986-01-01 |
| Open Access | Não |
| Tipo | CHAPTER |
| Periódico | Politik und Erlösung Zum Verhältnis von Glaube, Rationalität und Irrationalem in der sogenannten Theologie der Befreiung (SOURCE_BOOK) |
| Editora | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-322-90075-3_2 |
| OpenAlex | W2197386862 |
| ISBN | 9783322900753 |
| Idioma | DE |
An dieser Stelle drängen sich zwei Fragen auf: Wie sieht die Analyse der "historischen Praxis" bei Gutierrez aus? Und: Wie wird der "Glaube" auf diese "Praxis" bezogen? Beginnen wir mit der ersten der beiden Fragen. In der historisch-politischen Analyse von Gutierrez kann man vier Stufen unterscheiden. Der peruanische Theologe stellt zunächst das Modell "Entwicklung" dar, das in den fünfziger Jahren mit beträchtlichem Optimismus in Gang gesetzt wurde und die Lösung der sozialen Weltprobleme zu verheißen schien. Da die Politik der westlichen Staaten gegenüber der Dritten Welt nach wie vor weitgehend auf dem Modell der Entwicklungshilfe beruht und auch die kirchlichen Hilfswerke mehr oder weniger diese Leitidee voraussetzen, wird man Gutierrez hier mit einem besonderen Interesse zuhören. Der peruanische Gelehrte ist vom völligen Scheitern des Entwicklungsmodells überzeugt, und die Tatsachen scheinen ihm zusehends darin Recht zu geben. Er zeigt, daß der Maßstab für Fortschritt in diesem Konzept der Massenkonsum ist; Unterentwicklung und Entwicklung werden dabei als Phasen einer kontinuierlichen Evolution aufgefaßt.12 Sowohl der Evolutionsglaube wie das Messen der menschlichen Dinge am Konsum sind in der Tat verengte Dogmatismen, die der geschichtlichen Realität nicht standhalten. Gutierrez macht im Anschluß an T.dos Santos mit Recht darauf aufmerksam, daß die historische Zeit nicht einlinig verläuft.13 Man wünschte sich seine diesbezügliche Kritik ausführlicher und genauer. Leider bewegt er sich nämlich schnell doch wieder auf dogmatische Formeln zu, wenn er uns belehrt, daß nicht eine Gesellschaft später ein früheres Entwicklungsstadium bestehender Gesellschaften erreichen kann, sondern daß alle Gesellschaften sich auf eine neue Gesellschaft hin bewegen. Woher weiß man das? möchte man fragen. Ebenso taucht wieder ein für mich mythologischer Geschichtsbegriff auf, wenn die Kritik in der Formel zusammengefaßt wird, das Entwicklungsmodell bleibe auf einer abstrakten und ahistorischen Ebene. Denn es setzt mit seinem Entwicklungsgedanken in Wirklichkeit durchaus eine Idee von Geschichte voraus, wenn auch allem Anschein nach eine falsche.
Humanities · Political science · Latin American Cultural Politics · Philosophy · Religious and Theological Studies
| Altamente citado | Não |
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