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Thomas Mann und Josef Nadler

Drei Dezennien Literaturgeschichte

Bibliographic Data

ID10497609
AuthorsGisela Brude-Firnau (University of Waterloo, corresponding author)
Year1995
Volume31
Issue3
Pages203-216
Publication date1995-09-01
Open AccessNo
TypeARTICLE
VenueSeminar A Journal of Germanic Studies (JOURNAL)
Journal identifiersISSN: 0037-1939 • E-ISSN: 1911-026X
PublisherUniversity of Toronto Press Inc. (UTPress) (PUBLISHER)
DOI10.3138/sem.v31.3.203
OpenAlexW2015392329
LanguageEN

In Vita und Werk Thomas Manns findet sich die bislang kaum beachtete Beziehung zu Josef Nadler. Rekonstruieren wir sie, spiegelt sich darin eine Epoche literaturgeschichtlicher und politischer Verwerfungen, vor allem aber die Bedeutung volkisch-biologistischer Denkmuster in der Germanistik sowie deren partielle Bestatigung und spatere Verurteilung durch Thomas Mann. Vor dem Hintergrund der dunkelsten Phase deutscher Geschichte zeigt sich, das die Grenzen zwischen Ideologien und subjektiven Uberzeugungen von der Wirklichkeit immer wieder verwischt werden. Sie hatten mehr als das Zeitalter gemeinsam, der anerkannte Autor und der aus Osterreich stammende Literarhistoriker: beide verfugten sie uber eine stupende Produktivitat und reagierten horbar auf zeitpolitische Ereignisse; beide waren mit Publizisten und Schriftstellern freundschaftlich verbunden, erfuhren eine Vielzahl offentlicher — wenn auch ungleichwertiger — Ehrungen und erreichten das patriarchalische Alter von rund achtzig Jahren. Durch den Nationalsozialismus gerieten sie in entschiedene Opposition. Gemeinsamkeiten, Wechselwirkungen und Gegensatze gehen aus den folgenden Daten und Texten hervor. Begegnet sind sie einander sicherlich, wenngleich dies bisher nicht belegt ist: wahrend Nadlers Lehrtatigkeit in Konigsberg war Thomas Mann mindestens zweimal dort (Burgin & Mayer, Thomas Mann 98, 109). Nachweisbar dagegen ist, wie sie aufeinander reagierten, einander Stichworte gaben, und das jeder dem anderen ein Denkmal setzte: Nadler tritt als Professor Georg Vogler im Dr. Faustus auf. Thomas Mann erscheint in den bis 1951 vorliegenden Auflagen von Nadlers Literaturgeschichte als ein immerhin noch erkennbares Vexierbild; erst 1961 wird dieses zur ressentimentgeladenen Karikatur verzerrt. Der Anlas fur Nadlers abrupte Gesinnungsanderung findet sich im bekannten Mittelteil des 34

Art · Humanities · German History and Society · German Literature and Culture Studies · Kantian Philosophy and Modern Interpretations · Philosophy

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