Der Toleranzbegriff Theodor Herzls
Bibliographic Data
| ID | 10497809 |
|---|---|
| Authors | Gisela Brude-Firnau (University of Waterloo, corresponding author) |
| Year | 1983 |
| Volume | 19 |
| Issue | 1 |
| Pages | 20-32 |
| Publication date | 1983-02-01 |
| Open Access | No |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Seminar A Journal of Germanic Studies (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 0037-1939 • E-ISSN: 1911-026X |
| Publisher | University of Toronto Press Inc. (UTPress) (PUBLISHER) |
| DOI | 10.3138/sem.v19.1.20 |
| OpenAlex | W2103703954 |
| Language | EN |
Nur wenige deutschsprachige Autoren avancierten zu einer politischen Bedeutung, wie sie Theodor Herzl in der Zionismusdebatte erreichte. Aber auch nur wenige Werke durften im Mahlgang opponierender Meinungen rucksichtsloser um ihre Aussage gebracht worden sein als die literarischen und politischen Texte dieses Autors der Jahrhundertwende.. Mit Herzl wird Literatur Politik, und Politik sucht sich wiederum im literarischen Medium zu erklaren. Solange die Ubergange und Erganzungen zwischen politischem Leitartikel, literarisch uberformtem Tagebuch, Manifest, Rede und Roman nicht berucksichtigt werden, solange wird es zu simplifiziert dem eigenen Standpunkt angepasten Herzl-Auslegungen kommen. Die folgenden Ausfuhrungen stellen sich deshalb einer Reihe jungerer Herzl-Deutungen als methodische und inhaltliche Replik entgegen: methodisch ist zu zeigen, das jeder Aussage uber Herzls politische Intentionen die eingehende Lekture seines gesamten, also auch des literarischen, Werkes vorausgehen mus. Das kontextferne Zitat, das auch den zeitgeschichtlichen Rahmen ignoriert, mus bei einem Autor wie Herzl zu den absurdesten Schlussen fuhren: denn Herzl war – wie aus einem Grosteil seiner Auserungen hervorgeht – kein systematisch-produktiver Denker, sondern ein Journalist, der das Tagesgeschehen und seine soziologischen Ruckwirkungen im Auge hatte. So griff er auch als Zionist auf, was das intellektuelle Panorama der Zeit an soziologischen und politologischen Konzepten bot, um sie dann allerdings konsequent seinen Zielvorstellungen zu integrieren. Erst unter den zeitgeschichtlichen Begriffssedimenten zeigen sich die individuell entwickelten Denkbahnen, die letztlich Herzls politische Argumentation bestimmten. Eine derart zeitgeschichtlich beeinfluste, aber individuell weiterentwickelte Vorstellung liegt in Herzls Toleranzbegriff vor. Seine Analyse ist deshalb methodisch und inhaltlich geeignet, der gangigen Herzl-Kritik zu begegnen. Das berucksichtigte Material bezieht neben akademisch ernstzunehmenden Publikationen auch politische Pamphlete ein, da die jeweiligen Argumente sich nur
Art · Humanities · German Literature and Culture Studies · Kantian Philosophy and Modern Interpretations · Nietzsche, Schopenhauer, and Hegel · Philosophy
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