Gedanken zur „Psychopathologie von Ideologie und Intoleranz”
Bibliographic Data
| ID | 13824006 |
|---|---|
| Authors | Heinz Prokop (Innsbruck, corresponding author) |
| Year | 1980 |
| Volume | 14 |
| Issue | 1 |
| Pages | 122-135 |
| Publication date | 1980-01-01 |
| Peer Reviewed | Yes |
| Open Access | Yes |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Archive for the Psychology of Religion (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 0084-6724 • E-ISSN: 1573-6121 |
| Publisher | SAGE Publishing (PUBLISHER • US) |
| DOI | 10.1163/157361280x00115 |
| OpenAlex | W2093629096 |
| Language | DE |
| References cited | 2 |
Die Ethik des Arztes wird gepragt durch eine unbedingte, uneingeschrankte Bejahung des Lebens, durch die ehrerbietige Achtung des Schopfers und der Schopfung. Die Abtreibung, die Vernichtung „unwerten Lebens und die Er mordung von Geisteskranken in einer vergangenen Epoche sind mit der unbe dingten Achtung vor dem Leben, wie sie Albert Schweitzer vertreten hat, unver einbar. Arztliches Denken verlangt Gewaltlosigkeit. Jesus Christus hat mit sei nem Opfer die hochste Ethik der Gewaltlosigkeit vorgelebt. Gandhi und Albert Schweitzer haben die hohe Ethik der Gewaltlosigkeit bedingungslos bejaht. Voraussetzung, um der Ethik der Gewaltlosigkeit dienen zu konnen, bildet die Wahrheit in der Natur, auch in der Natur des Menschen zu erkennen, auch das wahre Gesicht des Menschen, wie es Erich Fromm in seiner „Anatomie der menschlichen Destruktivitat lebensnahe gezeichnet hat. Utopische Vorstellungen, Ideologien, Dogmen und Doktrinen konnen dem Menschen nie gerecht werden. Sie stellen Leitbilder auf, die der menschlichen Natur widersprechen. Zur Wirklichkeit des Menschen gehort Biologisches ge nauso wie das Machtstreben, dessen Bedeutung Alfred Adler erkannt hat. Das Machtstreben kennzeichnet das Wesen des Menschen weitaus mehr, als Freuds Sexualtheorie. Adler hat das Machtstreben lediglich als neurotisches Symptom aufgefast, doch unterliegt wohl jeder Mensch einem mehr oder weniger ver kappten Machtstreben. Das Ringen um Macht, Geld und Ruhm bestimmt mas geblich die menschliche Buhne. Ideologien, Dogmen und Doktrinen verzeichnen die wahre Natur des Men schen. Sie leiten ihn an, fur Worte und Begriffe zu kampfen. Sie fuhren zu Has, Feindschaft und unsagbarem Leid. Millionen von Menschen sind in gutem Glauben an eine Doktrin, an einen Begriff, fur ein Wort gestorben oder haben getotet. Sie sind Opfer einer Fehleinschatzung des Wesens des Menschen ge worden. Depressionen, Suizide und psychosomatische Krankheiten bei Flucht lingen und Heimatvertriebenen gehoren zu den fasbaren Auswirkungen. Sie spielen nicht nur in der Kriegsund Nachkriegspsychiatrie, sondern auch heute
Humanities · Kantian Philosophy and Modern Interpretations · Mental Health and Psychiatry · Philosophy · Psychoanalysis and Social Critique
| Citation velocity | historical |
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| Highly cited | No |