Der Tod des Individuums und der Individuelle Tod
Bibliographic Data
| ID | 13824397 |
|---|---|
| Authors | Erwin Möde (0009-0007-3852-1417, Regensburg, corresponding author) |
| Year | 1990 |
| Volume | 19 |
| Issue | 1 |
| Pages | 59-64 |
| Publication date | 1990-01-01 |
| Peer Reviewed | Yes |
| Open Access | Yes |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Archive for the Psychology of Religion (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 0084-6724 • E-ISSN: 1573-6121 |
| Publisher | SAGE Publishing (PUBLISHER • US) |
| DOI | 10.1163/157361290x00060 |
| OpenAlex | W2072913241 |
| Language | DE |
Der Tod des Individuums ist der Tod des zur authentischen Antwort befahig ten Menschen. Der Tod des Individuums ist seine Entfremdung in die Dimen sion des Antwortlosen hinein. An die Stelle der Antwort tritt: 1. Die Komplizenschaft der Absicht 2. Die Reaktion und Wiederholung 3. Das Agieren der Antwort: die psychopathische Aktion 4. Das Schweigen Das Charakteristikum der Dimension des Antwortlosen ist, das die Katego rie der Luge auf sie nicht mehr bzw. noch nicht zutrifft. Es gibt ein Stummsein, das vom Verstummen der absterbenden Individualitat herruhrt. Dieses Stumms ein bedient sich der Worte wie der Blinde seiner imaginativen Vorstellungskraft. Es gibt die Sprache der verstummten Individualitat und wer noch Mensch genug ist, sie horen zu konnen, der vernimmt sie, wo sie schweigt und ihre Mutilitat mit Worten oder agierendem Tun tarnt. Im Folgenden seien einige Beispiele zur Illustration dieser besagten Dimen sion des Antwortlosen eingefuhrt. Zuerst zur Komplizenschaft der Absicht. Diese Komplizenschaft ist zwiefaltig: Entweder versucht sie ihre Absicht vor dem anderen zu verbergen, um ihr Ziel ungehindert zu erreichen, so das der getauschte andere die Rede als Antwort nimmt oder sie versucht indentifikato risch intuitiv die Welt des anderen, seine Optionen und Absichten zu erraten, um dem anderen „nach dem Munde zu reden. Dazu nun ein konkretes Beispiel. Der zehnjahrige Alfred besucht die 5. Klasse der Hauptschule, ist sehr begabt, sensibel und intuitiv. Es wird ihm im Religionsbuch ein Mosaikbild des Heiligen Paulus vorgelegt und er wird dar nach gefragt, was er an diesem Mosaikbild wahrnehme, wie es auf ihn wirke, was er dabei denke und fuhle. Nach einigem Zogern erklart dieser intelligente Knabe zuerst, bei dem heiligen Paulus handle es sich um den Volkerapostel und er sei hier dargestellt mit einem strahlenden Antlitz, wahrscheinlich denke dieser Heilige gerade an Gott oder an Jesus Christus oder an seinen Auftrag, die Volker zu missionieren. Daraufhin fragte ihn der Religionslehrer noch einmal, was er denn wirklich in diesem Bild sehe, wie er, Alfred es wahrnehme und welche Gefuhle ihm dabei kamen? Wieder ein Zogern und daraufhin eine neue andere und wirkliche Antwort: Alfred ist plotzlich ernst geworden und er druckt seine Empfindungen diesem Mosaikbild gegenuber folgendermasen aus: die Augen hatten etwas Stechendes, Aggressives, sie machten ihm Angst und er fuhle, das sich in seinem Oberkorper etwas zusammenschnure, wenn er auf die Augen
Art · Humanities · Historical, Literary, and Cultural Studies · Linguistics and language evolution · Nietzsche, Schopenhauer, and Hegel · Philosophy
| Citation velocity | historical |
|---|---|
| Highly cited | No |