Rituale
Bibliographic Data
| ID | 20061989 |
|---|---|
| Authors | Christoph Wulf (0000-0001-6476-7049) |
| Year | 2008 |
| Pages | 331-349 |
| Publication date | 2008-08-01 |
| Peer Reviewed | Yes |
| Open Access | No |
| Type | CHAPTER |
| Venue | Lehr(er)buch Soziologie (SOURCE_BOOK) |
| Publisher | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-531-90986-8_15 |
| OpenAlex | W4231398485 |
| ISBN | 9783531909868 |
| Language | EN |
| References cited | 15 |
Rituale gehören zu den konstitutiven Bedingungen der Erziehung. Sie erzeugen Soziales und spielen in Bildungs- und Lernprozessen eine wichtige Rolle. Als Kontinuität und Veränderung erzeugende Prozesse können sie nach Intention, Inhalt und Kontext sehr unterschiedlich sein. Aufgrund ihrer Körperlichkeit und ihrer Eingebundenheit in historische und kulturelle Zusammenhänge haben sie einen nicht einholbaren Bedeutungsüberschuss. Neben ihrer auf Einordnung, Anpassung oder sogar Unterdrückung zielenden Seite haben Rituale und Ritualisierungen eine oft weniger wahrgenommene konstruktive Seite, die Gemeinschaften erzeugt und die es diesen ermöglicht, ihre Probleme und Konflikte zu bearbeiten. Rituale sind sinnlich erfahrbare soziale Inszenierungen, in denen eine Differenzbearbeitung stattfindet. Als kulturelle Aufführungen sind sie körperlich, performativ, expressiv, symbolisch, regelhaft, effizient; sie sind repetitiv, homogen, liminoid, öffentlich und operational. Rituale sind institutionelle Muster, in denen kollektiv geteiltes Wissen und kollektiv geteilte Handlungspraxen inszeniert werden und in denen eine Selbstdarstellung und Selbstinterpretation der institutionellen bzw. gemeinschaftlichen Ordnung bestätigt wird. Ihre szenischen Arrangements enthalten Momente der Reproduktion, Konstruktion und Innovation (Willems/Jurga 1998). Rituelle Handlungen haben einen Anfang und ein Ende und damit eine zeitliche Struktur. Sie finden in von ihnen gestalteten sozialen Räumen statt. Rituelle Prozesse verkörpern und konkretisieren Institutionen und Organisationen. Sie haben einen herausgehobenen Charakter. Sie sind ostentativ und werden durch ihre jeweilige Rahmung bestimmt. In ihnen werden Übergänge zwischen sozialen Situationen und Institutionen gestaltet und Differenzen zwischen Menschen und Situationen bearbeitet. Rituale sind in Machtbeziehungen eingebunden und strukturieren soziale Wirklichkeit; sie schaffen und verändern soziale Ordnungen und Hierarchien
Art · Humanities · Political science · German Social Sciences and History · Innovation, Technology, and Society · Sociology and Education Studies
| Citation velocity | historical |
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| Highly cited | No |