Systemtheorie, Evolutionstheorie und Kommunikationstheorie
Bibliographic Data
| ID | 20073681 |
|---|---|
| Authors | N Luhmann (0000-0003-1108-058X, corresponding author) |
| Year | 1975 |
| Pages | 193-203 |
| Publication date | 1975-01-01 |
| Peer Reviewed | Yes |
| Open Access | No |
| Type | CHAPTER |
| Venue | Soziologische Aufklärung 2 (SOURCE_BOOK) |
| Publisher | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-663-12374-3_10 |
| OpenAlex | W4239264237 |
| ISBN | 9783663123743 |
| Language | EN |
| Citations received | 12 |
| References cited | 1 |
Theorieentwicklungen haben teils immanente, teils externe Gründe. Sie sind sowohl durch die Problemstellungen, Konzeptionen und negierbaren Themen der jeweils vorliegenden Theorie bestimmt als auch durch hinzukommende Erfahrungen mit der Realität. Dies gilt allgemein. Im besonderen Falle der Gesellschaftstheorie kommt hinzu, daß der Gegenstand dieser Theorie ein evoluierendes System, ein Träger evolutionärer Entwicklungen ist. Das macht Theorieentwicklungen kompliziert. Ihre Doppelabhängigkeit von sich selbst und von ihrem Gegenstand befindet sich selbst in Bewegung. Diese Bewegung der Beziehung von Veränderungen im Gegenstand und in der Theorie kann ihrerseits zum Gegenstand der Erkenntnis werden. Sie muß zum Gegenstand der Theorie werden, wenn diese auf Begründung oder auf Universalitätsansprüche hin befragt wird. Das heißt: Gesellschaftstheorie ist, wenn sie Evolution in Betracht ziehen will, nur als reflexive Theorie möglich; nur als Theorie, die ihren eigenen Theoriestatus mitreflektiert. Reflexive Theorie ist nicht eine Domäne der Dialektik. Diese hatte ihren sehr speziellen Ausgangspunkt in dem Problem der Identität in der Nichtidentität von Erkenntnis und Gegenstand. Oder historisch formuliert: in der Notwendigkeit eines Ding an sich, das aber nicht zu erkennen ist. Von da her hat sich jener berühmte Begründungsduktus der selbstreferentiellen Negation entwickelt — jenes Nachrationalisieren eines theoretischen oder dann politischen Wollens. Damit können wir uns an dieser Stelle nicht angemessen auseinandersetzen. Ich konzediere diesem Theorietyp das Erstgeburtsrecht als reflexive Theorie; mich stört andererseits die eigentümliche Schmalspurigkeit, die zu geringe und zu unbestimmte Komplexität, die Fixierung auf wenige Gesichtspunkte, an die man mit vermeintlich eindeutigen Effekten Negationen anknüpfen kann. Ob Sie nun dieses spezifische Unbehagen teilen oder nicht — auf alle Fälle muß es verlocken, mit Alternativen zu experimentieren
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| Unique citing works | 12 |
|---|---|
| Citations per year | 0,29 |
| Citation span | 1984 - 2026 (43) |
| Citation velocity | current |
| Highly cited | No |
| Citation types | Neutral: 12 |