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Einfache Sozialsysteme

Bibliographic Data

ID20078727
AuthorsN Luhmann (0000-0003-1108-058X, corresponding author)
Year2005
Pages25-47
Publication date2005-01-01
Open AccessNo
TypeCHAPTER
VenueSoziologische Aufklärung 2 (SOURCE_BOOK)
PublisherVS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE)
DOI10.1007/978-3-663-11447-5_2
OpenAlexW4253300164
ISBN9783663114475
LanguageEN
Citations received5
References cited20

Eine Theorie sozialer Systeme, die den Anspruch erhebt, auf alle sozialen Tatbestände anwendbar zu sein, stößt auf zwei Grenzfälle, deren Einbeziehung Schwierigkeiten bereitet: den Fall des umfassenden Sozialsystems der Gesellschaft und den Fall der elementaren sozialen Interaktion: der flüchtigen Begegnung, des kurzen Gesprächs zwischen Tür und Angel, der stummen gemeinsamen Fahrt im Eisenbahnabteil, des gemeinsam ungeduldigen Wartens auf das Umschalten der Ampel. In beiden Richtungen besteht ein Bedarf für konzeptuelle Klärungen — von den Schwierigkeiten fachgerechter Operationalisierung und empirischer Verifikation ganz zu schweigen. Dieser Bedarf fällt zusammen mit ohnehin unterbelichteten Randzonen soziologischer Forschung. Für den Bereich der Gesellschaftstheorie ist das ein geläufiger Sachverhalt. Hier hat sich im Zuge der gesellschaftlichen Veränderungen und seit Entstehen der Soziologie auch durch Veränderungen im wissenschaftlichen Anspruchsniveau eine alteuropäische Thematik aufgelöst, ohne adäquaten Ersatz zu finden (Luhmann 1970a; Luhmann 197lb). Die Gesellschaft kann als der große, human finalisierte Körper menschlichen Zusammenlebens nicht mehr zureichend begriffen werden. Weniger aufgefallen ist der gleiche Tatbestand auf der Ebene elementarer Interaktion. — Hier ist das menschliche Individuum eine zu kompakte, gleichsam zu anspruchsvolle Größe, die einer schärferen Analyse der Strukturen sozialer Interaktion im Wege steht. Bisher ist aber die soziale Interaktion ganz überwiegend als Beziehung zwischen Individuen behandelt worden. Die Sozialpsychologie, die am meisten zu diesem Forschungsbereich beigetragen hat, pflegt als Psychologie einen individuum-zentrierten Ansatz. Aber auch die soziologische Interaktionsforschung versteht Interaktion entweder von den Rollen oder neuestens von den Identitäten der Beteiligten her. Damit kommt teils zu viel, teils zu wenig in den analytischen Bezugsrahmen hinein — zu viel, weil keine Person, keine Rolle, keine Identität sich in einzelnen Interaktionsreihen erschöpft* (1); zu wenig, weil allein von solchen Randgrößen her die Eigengesetzlichkeit des sozialen Geschehens nicht zureichend scharf erfaßt werden kann. Eine Soziologie der Interaktion müßte Konzepte suchen, die das Soziale weder auf eine konditionierende Außenwelt des Individuums, noch auf bloße Intersubjektivität beschränken, sondern es zunächst eigenständig zum Thema machen. Die folgende Skizze versucht zu zeigen, daß und wie dies mit Hilfe systemtheoretischer Analyse geschehen könnte

Humanities · German Social Sciences and History · Philosophy · Sociology and Education Studies · Sociology and Norbert Elias

  • Weltzeit und Systemgeschichte

    Open Access•N Luhmann•Soziologische Aufklärung 2•2005

  • Anwesenheit, Adressierbarkeit und Anschlussfähigkeit . Organisationsberatung unter der Bedingung mediatisierter Interaktion in Videokonferenzen

    Greta Herzogenrath•Soziale Systeme•2022

  • Bands und Plattenfirmen. Grenzprobleme und ihre Bearbeitung

    Open Access•Stefan Wilber, Stefan Wilbers•Organisierte Grenzrollen•2023

  • Asymmetric Communication and Internal Exclusion in Everyday Political Talk

    Open Access•Rüdiger Schmitt‐beck•Frontiers in Political Science•2022

  • Bewertungskonstellationen. Theoretische Überlegungen zur Soziologie der Bewertung

    Open Access•Franziska Meier, Frank Meier et al.•Berliner Journal für Soziologie•2016

  • Perception and communication.

    D E Broadbent, D Ε Broadbent•1958

  • Identities and Interactions

    Carroll M Brodsky•Archives of General Psychiatry•1967

  • The Structure of Wholes

    Open Access•Andras Angyal•Philosophy of Science•1939

  • Physical Stigma and Nonverbal Cues Emitted in Face-to-face Interaction

    Open Access•Robert Kleck, Robert E Kleck•Human Relations•1968

  • A Theory of Simple Behaviour Systems. II

    Open Access•P G Herbst•Human Relations•1961

  • The Effects of Visibility on Interaction in a Dyad

    Open Access•Michael Argyle, Mansur Lalljee et al.•Human Relations•1968

  • Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1989

    Rosemarie Nave-Herz•Soziologische Revue•1992

  • Common fate, similarity, and other indices of the status of aggregates of persons as social entities

    Open Access•Donald T Campbell•Systems Research and Behavioral…•2007

  • Friends, Enemies, and the Polite Fiction

    Tom Burns•American Sociological Review•1953

  • Territoriality

    Stanford M Lyman, Marvin B Scott•Social Problems•1967

  • Levels of Organization and the Mediation of Social Interaction

    Open Access•Talcott Parsons•Sociological Inquiry•1964

  • The Cabdriver and His Fare

    Fred Davis, F Russ Davis•American Journal of Sociology•1959

Citations per year0.24
Citation span2005 - 2023 (19)
Highly citedNo

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