Vom Weichen der Bilder. Die konzeptuellen Vororte der Literaturgeschichte
Bibliographic Data
| ID | 21606842 |
|---|---|
| Authors | Marion Picker (0009-0003-1305-2715, Université de Poitiers, corresponding author) |
| Year | 2022 |
| Volume | 71 |
| Pages | 115-135 |
| Publication date | 2022-01-01 |
| Open Access | No |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Germanica (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 0984-2632 • E-ISSN: 2107-0784 |
| Publisher | OpenEdition (PUBLISHER) |
| DOI | 10.4000/germanica.18789 |
| OpenAlex | W4313583544 |
| Language | DE |
Der Ausdruck „Weichbild“ hatte in den zwanziger und frühen dreißiger Jahren eine seltsame Art von Konjunktur. Er erscheint u.a. bei Siegfried Kracauer, Franz Hessel und Walter Benjamin nicht nur als Wiederaufnahme eines bestehenden Begriffs aus dem Stadtrecht des Mittelalters, der die Geltung der städtischen Rechtsprechung auch in einer vor den Stadtmauern gelegenen Zone benennt. Sowohl in literarischen, sozialwissenschaftlichen als auch literaturtheoretischen Texten zeichnet sich eine Verwendung von „Weichbild“ ab, die das Wort in neue Kontexte stellt und dadurch auf das Potenzial einer (durchaus beabsichtigten) modernen „Fehllektüre“ des Wortes hinweist. „Weichbild“ erscheint nicht nur in seinem engeren, historisch-juristischen Sinn als städtisches Phänomen, als „Stadtrecht“, das einen Raum definiert, sondern zugleich als literarische, d.h. wörtlich und buchstäblich konstituierte Stadt: ein Bild, das aufweicht, zurückweicht, unscharf wird, und das nicht nur in der Peripherie. Damit wird ein bestehender historischer Begriff auf einen Bezug zu modernen bildgebenden Verfahren hin geöffnet, aber auch noch auf mehr: wenn „Weichbild“ als Teil der Sprach- und Bildreflexion zu denken ist, erscheint nicht nur die Stadt als literarischer Erfahrungsraum aus Buchstaben, sondern auch die jeweils mögliche Literaturgeschichtsschreibung als bedingt durch die in den Blick kommenden, lesbar werdenden Bildpotentiale der Texte
Art · Humanities · German Literature and Culture Studies · Historical, Literary, and Cultural Studies · Philosophy
| Highly cited | No |
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