Unternehmenskonzentrationen in der Fleischbranche und die performative Rolle der Agrarökonomik – das Beispiel Sektorplanungen im Schlachthofbereich
Bibliographic Data
| ID | 21608393 |
|---|---|
| Authors | Katrin Hirte (Johannes Kepler University of Linz, corresponding author) |
| Year | 2021 |
| Volume | 46 |
| Issue | 2 |
| Pages | 187-205 |
| Publication date | 2021-06-01 |
| Open Access | Yes |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Österreichische Zeitschrift für Soziologie (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 1011-0070 • E-ISSN: 1862-2585 |
| Publisher | Springer Science and Business Media LLC (PUBLISHER) |
| DOI | 10.1007/s11614-021-00448-x |
| OpenAlex | W3160443818 |
| Language | DE |
| Citations received | 1 |
| References cited | 8 |
In der deutschen Fleischbranche wurde nur sechs Wochen nach Ausbruch der Corona-Pandemie deutlich, welch problematische und konzentrierte Strukturen hier bestehen – angezeigt durch die Schlachthöfe des Unternehmers Tönnies, die sich zu Corona-Hotspots entwickelten. Für Konzentrations- und Intensivierungsdynamiken solcher Strukturen werden üblicherweise sowohl ökonomische (wettbewerbliche Konzentrationstendenzen durch Größenvorteile) als auch wirtschaftspolitische (Arbeitsmarktpolitik, umweltpolitische Vorgaben usw.) Gründe angegeben. Kaum thematisiert wird dabei jedoch die aktive Rolle wissenschaftlicher Expertise im Prozess der fortschreitenden Intensivierung der Tierproduktion und hier insbesondere im Bereich Schlachtung und Verarbeitung. Dies steht in Diskrepanz zu der Tatsache, dass in Deutschland ab den 1970er-Jahren von Agrarökonomen Strukturpläne erstellt wurden, die dann als Sektorpläne politisch umgesetzt worden sind, wodurch die Strukturkonzentrationen maßgeblich forciert wurden. Daher soll im nachstehenden Beitrag diese performative Rolle der deutschen Agrarökonomik im Prozess der bewusst herbeigeführten Konzentrationen im Bereich der Schlachthofstrukturen thematisiert und aus soziologischer Perspektive hinterfragt werden. Dazu wird in einem ersten Schritt die Fleischbranche als Forschungsgebiet skizziert und aus wissenschaftssoziologischer Sicht auf Entwicklungen eingegangen, entlang derer die derzeitige Forschungsstruktur erklärbar wird. In einem zweiten Schritt werden die Planungsvorgänge und ihre Folgen thematisiert und hier insbesondere am Beispiel des sogenannten Böckenhoff-Planes, auf dessen Grundlage nach 1989 die Schlachthöfe in den Neuen Bundesländern stark dezimiert wurden. In einem dritten Schritt wird abschließend die aktive performative Rolle der Agrarökonomik vor dem Hintergrund der aktuellen Problemlage reflektiert. Dazu wird mit einem strukturationstheoretischen Zugang auf die Differenz zwischen marktfokussierter ökonomischer Sphäre und den Bewirtschaftungsvorgängen und ihren Folgen insgesamt insistiert. Hier zeigen sich auch die Grenzen der derzeit geltenden Ökonomik, da weder die eigene performative Rolle bei der Ausgestaltung der ökonomischen Sphäre nach marktwirtschaftlichen Vorstellungen noch die Folgewirkungen dieses Herangehens problematisiert werden
Art · Humanities · Political science · Consumer behavior in food and health · Economic and Social Issues
| Citations per year | 1 |
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| Citation span | 2025 - 2025 (1) |
| Highly cited | No |