Jugend und Sexualität
Bibliographic Data
| ID | 23701348 |
|---|---|
| Authors | Lising Pagenstecher (corresponding author) |
| Year | 1992 |
| Pages | 473-493 |
| Publication date | 1992-01-01 |
| Open Access | No |
| Type | CHAPTER |
| Venue | Handbuch der Jugendforschung (SOURCE_BOOK) |
| Publisher | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-322-93670-7_21 |
| OpenAlex | W1598552418 |
| ISBN | 9783322936707 |
| Language | DE |
| References cited | 3 |
Betrachtet man die 1886 veröffentlichte „Psychopathia sexualis“ — ein zeitgenössisches Standardwerk über „Perversionen“ — des Wiener Psychiaters Richard von Krafft-Ebing als Ausgangspunkt der Sexualwissenschaft, so hätte dieser Forschungszweig 1986 sein hundertjähriges Jubiläum feiern können. Das Fest wäre allerdings nicht sehr strahlend ausgefallen, denn schon ein halbes Jahrhundert nach ihrem Entstehen fand die in Österreich und Deutschland, namentlich durch jüdische Forscher begründete und zur Blüte gebrachte Sexualwissenschaft ein jähes und brutales Ende: Am 6. Mai 1933 stürmten Berliner Sportstudenten das 1919 von Magnus gegründete, erste „Institut für Sexualwissenschaft“, rissen die Bücher aus den Regalen und zerstörten die gesamte Einrichtung. „Mehr als 10000 Bände der wertvollen Bibliothek wurden auf Lastwagen geladen und abtransportiert... Neben marxistischer und pazifistischer Literatur galt die sexualwissenschaftliche als bevorzugtes Material fir die Bücherverbrennung des 10. Mai 1933. Vernichtet wurde in jenen Tagen das Lebenswerk des homosexuellen Juden Magnus ... Der Schlag der Nazis gegen und sein Institut war ein schrecklicher Anfang. Vom losgelassenen ‚deutschen Geist‘ wurde schließlich die gesamte Sexualwissenschaft zerstört, gleichgültig, ob sie kommunistisch und revolutionär wie die ‚Sozialistische Gesellschaft für Sexualberatung und Sexualforschung‘, in welcher Wilhelm eine zentrale Rolle spielte, sozialdemokratisch und reformistisch wie das von Magnus geführte ‚Wissenschaftlich-humanitäre Komitee‘ (die erste Organisation zur Befreiung der Homosexuellen, Anm. L.P.), deutschnational und reformunwillig wie die von Albert repräsentierte Richtung oder antisemitisch und gegenaufklärerisch wie das Denken Hans orientiert war.“ ( 1983, S. 5 f.)
Art · Humanities · European history and politics · Philosophy · Psychoanalysis and Social Critique · Sociology and Education Studies
| Highly cited | No |
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