Das Byzantinische Reich als geographische Erscheinung
Bibliographic Data
| ID | 5289929 |
|---|---|
| Authors | Alfred Philippson |
| Year | 1941 |
| Volume | 97 |
| Issue | 2 |
| Pages | 129 |
| Publication date | 1941-02-01 |
| Open Access | No |
| Type | ARTICLE |
| Venue | Geographical Journal (JOURNAL) |
| Journal identifiers | ISSN: 0016-7398 • E-ISSN: 1475-4959 |
| Publisher | JSTOR (PUBLISHER) |
| DOI | 10.2307/1788299 |
| OpenAlex | W2083814869 |
| Language | DE |
| Citations received | 4 |
Die geographische Betrachtung eines Staates hat dessen r?umliche Eigen schaften zum Gegenstand, also: die Lage des Staatsgebietes, seine Ausdehnung, Gestalt, Zusammensetzung, Grenzen, seine nat?rliche und anthropogeographische Ausstattung; und zwar im Wandel der Zeiten: die territoriale Entwicklung. Diese r?umliehen Eigenschaften des Staates und ihre zeitlichen Ver?nderungen sind aber abh?ngig nicht nur von der Natur des Erdraums, in dem der Staat lebt, sondern auch von seinem innersten Wesen, seinem ?Staatsgedanken, und von den Tr?gern desselben, den V?lkern, den Herrschern oder anderen regierenden Gewalten, welche die Bichtung seiner Politik bestimmen, ferner von seinen politischen, kulturellen, sozialen, wirtschaftlichen Kr?ften, und von der Ent wicklung aller dieser Verh?ltnisse in der Zeit. Aber sie sind auch abh?ngig von den Wesenheiten, Kr?ften und Schicksalen der Nachbarstaaten, mit denen der Staat, den wir betrachten, sich in den Baum teilen und mit denen er sich aus einandersetzen mu?, von denen er auch innerlich mannigfach beeinflu?t wird. Jede geographische Untersuchung eines staatlichen Gebildes mu? daher, bis zu einem gewissen Grade, auch eine geschichtliche sein; eine methodisch scharfe Trennung beider Wissenschaften w?re hierbei ein Unding, denn sie w?rde die Probleme nur einseitig zu sehen gestatten und w?rde so die Wissenschaft lichkeit der Betrachtung aufheben. In der Jugendzeit des Verfassers wurde im Schulunterricht und in den ?blichen Handb?chern das byzantinische Beich als ein durchaus verkommenes und moralisch verfaultes Staatswesen, die byzantinische Kultur als minderwertig und erstarrt dargestellt. Es mu?te aber selbst einem Sch?ler, wenn er etwas nachdachte, die Pr?ge sich aufdr?ngen, wieso ein derartig verrotteter Staat ein Jahrtausend lang das Bollwerk der christlich-europ?ischen V?lkerfamilie gegen Asien und den Islam sein und die unz?hligen machtvollen Angriffe, denen es von allen Seiten ausgesetzt war, immer wieder abschlagen und sich immer wieder aus Not und Bedr?ngnis zu neuer Macht erheben konnte ? Man ist heute, dank der intensiven Porscherarbeit der Byzantinisten, zu einer wesentlich anderen Auffassung der byzantinischen Kultur und Geschichte gelangt, ja vielleicht schwingt in der heutigen Wertsch?tzung des Byzantinismus der Pendel etwas zu sehr nach der anderen Seite. Wie dem auch sei, das byzantinische Beich ist mit seiner trotz h?ufiger Schw?chezust?nde ungeheuren Lebensz?higkeit und Begenerationskraft eine der eigenartigsten Erscheinungen der Weltgeschichte, deren geographische Grundlage darzustellen eine lohnende Aufgabe ist. Geographische Zeitschrift. 40. Jahrg. 19 34. Heft 12. 33
Byzantine Studies and History · Contemporary and Historical Greek Studies · Geology
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| Citation span | 2010 - 2019 (10) |
| Highly cited | No |