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Die amputierte Wiedereinbettung geistiger Eigentumsrechte an genetischen Ressourcen. Das Fallbeispiel Brasilien

Bibliographic Data

ID6444289
AuthorsAnne Tittor (0000-0002-7114-3602, Friedrich Schiller University Jena), Eduardo Relly (0000-0001-5196-7332, Friedrich Schiller University Jena), Leoni Schlender (University of Kassel), Maria Backhouse (0000-0001-9103-9637, University of Augsburg)
Year2025
Volume45
Issue1-2025
Pages146-146
Publication date2025-08-28
Open AccessYes
TypeARTICLE
VenuePERIPHERIE – Politik • Ökonomie • Kultur (JOURNAL)
Journal identifiersISSN: 0173-184X • E-ISSN: 2366-4185
PublisherVerlag Barbara Budrich (PUBLISHER • DE)
DOI10.3224/peripherie.v45i1.10
OpenAlexW4413790667
LanguageDE
References cited14

Im Jahr 2010 wurden nach langen Verhandlungen das Nagoya-Protokoll und mit ihm ein zentraler Mechanismus des gerechten Vorteilsausgleich (englisch: Access and Benefit Sharing – ABS) verabschiedet. Dieser soll der Biopiraterie – gemeint ist die Aneignung und Patentierung von Wissen und kultivierten Pflanzen durch Pharmazie- oder Agrarunternehmen – Einhalt gebieten, indem der Zugang zu genetischen Ressourcen geregelt und die lokalen Wissensträger:innen an den Gewinnen dieser Aneignung beteiligt werden. Im vorliegenden Beitrag argumentieren wir anknüpfend an eine eigentumssoziologische Interpretation von Karl Polanyi, dass dieser ABS-Mechanismus das Ergebnis jahrzehntelanger Aushandlungsprozesse um die gesellschaftliche Wiedereinbettung bzw. soziale Regulierung intellektueller Eigentumsrechte zwischen Marktkräften, Staaten des Globalen Südens und sozialen Bewegungen ist. Vor diesem Hintergrund gehen wir der Frage nach, inwieweit damit eine gesellschaftliche Wiedereinbettung bzw. soziale Regulierung dieser Eigentumsform gelingt. Wir kommen zu dem Ergebnis, dass es sich um eine „amputierte“ Wiedereinbettung des privaten geistigen Eigentums handelt. Denn obwohl diese internationale Norm erstmals die Bedeutung des Indigenen und Traditionellen Wissens anerkennt, können wir keine soziale Regulierung intellektuellen Eigentums feststellen: Der Ausschluss der zugrunde liegenden privaten Eigentumsform und die damit verbundenen Inwertsetzungsprozesse werden von dem Mechanismus nicht angetastet, sondern bestärkt. Auf lokaler Ebene gelingt bisher nicht einmal die anvisierte monetäre Umverteilung über eine Gewinnbeteiligung. Gleichzeitig erscheint diese Form der Regulierung den meisten Akteuren alternativlos. Dies verdeutlichen wir anhand einer qualitativen Studie zu den gesellschaftlichen Aushandlungen um die Implementierung des ABS-Mechanismus in Brasilien

Art · Humanities · Political science · Agriculture, Land Use, Rural Development · Genetically Modified Organisms Research · Intellectual Property and Patents

  • Qualitative Inhaltsanalyse

    Open Access•Philipp Mayring, Thomas Fenzl•Handbuch Methoden der Empirischen…•2019

  • Negotiating the Nagoya Protocol

    Kimberly R Marion Suiseeya•Global Environmental Politics•2014

  • Biopiracy after the Nagoya Protocol

    Open Access•Florian Rabitz•Brazilian Political Science Review•2015

  • People, plants, place, and rules

    Open Access•Daniel F Robinson, Murray Forsyth et al.•Geographical Research•2016

  • The Modern World-Systemas environmental history? Ecology and the rise of capitalism

    Open Access•J W Moore•Theory and Society•2003

Highly citedNo

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