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Die unbekannte Geburt – Deutungsprozesse gebärender Frauen

Bibliographic Data

ID21608334
AuthorsSarah Eckardt (0000-0002-8303-6097, Fulda University of Applied Sciences, corresponding author)
Year2022
Volume47
Issue1
Pages83-101
Publication date2022-03-01
Open AccessYes
TypeARTICLE
VenueÖsterreichische Zeitschrift für Soziologie (JOURNAL)
Journal identifiersISSN: 1011-0070 • E-ISSN: 1862-2585
PublisherSpringer Science and Business Media LLC (PUBLISHER)
DOI10.1007/s11614-022-00475-2
OpenAlexW4213077151
LanguageDE
References cited18

Eine Geburt als ein individuelles Projekt zu begreifen, ist eine zentrale These in der soziologischen Natalitätsforschung. Um eine gute Geburt für Mutter, Kind und Partner*in gemäß dem medizinischen Selbstbestimmungsparadigma aktiv positiv gestalten zu können, scheinen umfangreiche Vorbereitungen und Entscheidungen notwendig zu sein. Die Geburt, so die These, würde nahezu wie ein Event individuell inszeniert. Gleichzeitig ist es von Bedeutung, Geburt als sozial geprägtes Ereignis zu verstehen, das durch divergierende Dispositive auf spezifische Art und Weise hervorgebracht wird. Dabei ist das biomedizinische Risikodispositiv als hegemonial anzusehen, hinzukommen spezifische gesellschaftliche Entwicklungen wie die Ökonomisierung des Gesundheitssystems oder die Zentralisierungen der Geburtskliniken. Folglich sind die Möglichkeitsräume zur aktiven Gestaltung der Geburt strukturell begrenzt. Das medizinische Geburtshilfesystem ist in seinen Praktiken und Deutungen der Geburt repressiv und machtvoll. Wie sich Frauen in dem spannungsreichen dispositiven Feld der Geburt bewegen und positionieren, Diskurse weiterschreiben und verändern, war die Fragestellung des vorliegenden Projekts. Im Zentrum standen die Subjektivierungsweisen gebärender Frauen. Dazu führte ich Interviews mit neun Frauen kurz vor und kurz nach der Geburt. In einer Verschränkung von Dispositivanalyse und Grounded Theory wertete ich das Material aus. Der Beitrag fordert dazu auf, Geburt als ein grundlegend unbekanntes Phänomen zu begreifen, dem sich Frauen durch verschiedene Praktiken annähern. Deutlich wird in der Analyse, dass die Deutung der Geburt diskursiv als ein unbekanntes Phänomen konstruiert ist. Mein Beitrag diskutiert die Auswirkung dieser Deutung und deren Verstrickung mit Bio-Macht und Weiblichkeit

Art · Humanities · Political science · Historical Studies on Reproduction, Gender, Health, and Societal Changes · Philosophy · Reproductive Health and Technologies · Sociology and Education Studies

  • The technocratic, humanistic, and holistic paradigms of childbirth

    Open Access•R Davis-Floyd, R Davis‐Floyd•International Journal of…•2001

  • Vom Diskurs zum Dispositiv

    Andrea D Bührmann, Werner Schneider•Vom Diskurs Zum Dispositiv•2008

  • Geburt im Spannungsfeld von Interaktion, Professionalität und Gewalterfahrungen

    Open Access•Katharina Ameli, Lara L Valdor•GENDER – Zeitschrift für…•2020

  • Der menschliche Faktor

    Open Access•R Keller•Diskurs - Macht - Subjekt•2012

  • Schwangerschaft und Geburt als individuelles Projekt. Zur institutionellen Anrufung schwangerer Frauen in Informations- und Bildungsveranstaltungen

    Open Access•Rhea Seehaus•Freiburger Geschlechterstudien/Frei…•2015

  • Bodies that Birth

    Rachelle Chadwick•Bodies that Birth•2018

  • Das Rätsel der Retraditionalisierung – Zur Verweiblichung von Elternschaft in Geburtsvorbereitungskursen

    Open Access•Marion Müller, Nicole Zillien•KZfSS Kölner Zeitschrift für…•2016

  • The Sociology of Knowledge Approach to Discourse (SKAD)

    Open Access•R Keller•Human Studies•2011

  • Giving Birth Like A Girl

    Open Access•Karin A Martins, Karin A Martin•Gender & Society•2003

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