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Von der alternativen zur konformistischen Revolution?

Bibliographic Data

ID23707369
AuthorsThomas Köhler (0000-0001-9012-4100), Thomas Koehler (0000-0002-9438-5786), Jörg Gapski, Martin Lähnemann
Year2001
Pages265-294
Publication date2001-01-01
Peer ReviewedYes
Open AccessNo
TypeCHAPTER
VenueDie Krise der Universitäten (SOURCE_BOOK)
PublisherVS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE)
DOI10.1007/978-3-663-12044-5_13
OpenAlexW5860754
ISBN9783663120445
LanguageDE
Citations received1
References cited8

Die Unterscheidung zwischen „Gleichheit“ und „Gerechtigkeit“, die Wolfgang Clement, der Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens, hier trifft, löst wahrscheinlich nicht nur bei den Interviewern Irritationen aus. Wir wollen dieser Unterscheidung gleichsam stellvertretend nachgehen — stellvertretend für jenes unübersichtliche, keineswegs abgeschlossene Projekt einer Politik des „Dritten Weges“, der es ja um ein für Sozialdemokraten und ihr Gerechtigkeitsverständnis neuartiges Modell der „Modernisierung“ geht. Anthony Giddens, einer der Ideengeber für diese Strategie, hat im Zusammenhang mit entsprechenden Theoremen über die Kultur und Politik der Moderne vorgeschlagen, die klassisch-sozialdemokratische „Politik der Lebenschancen“, die sich um Fragen des Ausgleichs ökonomischer Ungleichheit drehte, von einer „Politik der Lebensweisen“ zu unterscheiden.1 Die für eine Lebensweise-Politik systematisch erst noch zu entwickelnden politischen Programme würden, so die Prognose, in denjenigen Gesellschaften immer wichtiger, die der „reflexiven Modernisierung“ unterliegen — nach Giddens’ (und, variiert, auch nach Ulrich Becks) Auffassung ist damit eine globale Dynamik gemeint, mit der die Gewissheiten der ersten, industriegesellschaftlichen Moderne erodieren und die permanente Entbettung aus tradierten Strukturen nur noch mit einer hoch informierten Neuerfindung von kontingenten, zunehmend freiwillig einzugehenden Traditionen beantwortet werden kann. Giddens’ modernisierungstheoretisch fundierte Kritik an der Politik der Lebenschancen wendet sich gegen die Blindheit für neu entstehende „riskante Freiheiten“: Viel zu paternalistisch, viel zu bürokratisch geht die Politik der Chancengleichheit mit den immer kompetenteren und eigenwilligeren Akteuren um, die dann auch dieser Politik der ersten Moderne zunehmend die Folgebereitschaft, gar Aufmerksamkeit entziehen.

Humanities · Political science · Philosophy · Social and Cultural Dynamics · Social Policy and Reform Studies · Sociology and Education Studies

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Highly citedNo
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