Über Kultur im Zeitalter der Sozialwissenschaften
Bibliographic Data
| ID | 20084596 |
|---|---|
| Authors | Friedrich H Tenbruck, Clemens Albrecht, Wilfried Dreyer, Harald Homann |
| Year | 1996 |
| Pages | 27-47 |
| Publication date | 1996-01-01 |
| Peer Reviewed | Yes |
| Open Access | No |
| Type | CHAPTER |
| Venue | Perspektiven der Kultursoziologie (SOURCE_BOOK) |
| Publisher | VS Verlag für Sozialwissenschaften (PUBLISHER • DE) |
| DOI | 10.1007/978-3-663-11031-6_2 |
| OpenAlex | W2072308508 |
| ISBN | 9783663110316 |
| Language | DE |
| Citations received | 3 |
Die Soziologie hat sich im vergangenen Jahrzehnt in Deutschland etabliert — oder auch reetabliert, und dieser Vorgang hat, zumindest für die Öffentlichkeit, im Zeichen der sogenannten empirischen Untersuchungen gestanden. Nun ist es keine Frage, daß unsere Gegenwart solcher konkreter Studien an allen Ecken und Enden bedarf, und es ist auch keine Frage, daß die saubere Beherrschung nicht etwa nur der Techniken und Methoden, sondern gerade auch der erforderlichen theoretischen Kenntnisse, ohne welche solche Studien ein Trümmerhaufen von Daten und ein Monument der Neugier bleiben müssen, heute zur Ausrüstung des Soziologen vom Fach gehört. Aber es ist auch wahr, daß mit solchen Arbeiten das Feld soziologischer Aufgaben noch nicht abgeschritten, geschweige denn gepflügt und gesät ist. Wie zahlreich und wie gut diese Präparierungen am lebenden Körper unserer Gesellschaft auch sein mögen, so antworten sie uns am Ende noch nicht auf die Frage, was nicht dieser oder jener Teil unserer Gesellschaft, sondern was unsere Gesellschaft sei. Und dieses Anliegen ist nicht Ausfluß einer müßigen Spekulation, dem keine Realität entspricht, wie das die Soziologie selbst wohl eine Weile geglaubt hat. Immer stärker hat sich in der Forschungslogik wie in der Praxis die Einsicht verbreitet, daß selbst das Einzelne und Konkrete nur in dem Maße erkennbar wird, wie die allgemeinen, aber nicht weniger wirklichen und wirksamen Grundzüge der Gesellschaft erkannt sind. Grundzüge sind nicht identisch mit den verbreiteten Phänomenen, die sich der Intuition unmittelbar und der Sozialforschung mittelbar darbieten. Grundzüge sind diejenigen, mit dem Instrument der soziologischen Analyse freizulegenden Grundstrukturen, aus denen die beobachtbaren Phänomene allererst abzuleiten und zu verstehen, ja überhaupt nach ihrer Bedeutung und Realität erst abzuschätzen sind. Bei allem Sinn und Hang also für die Beschreibung gesellschaftlicher Phänomene und die Enträtselung konkreter Details — sowie (und das ist etwas anderes) bei allem Verständnis dafür, daß unsere Gesellschaft praktisch auf empirische Untersuchungen angewiesen ist, bleibt der Soziologe auch, ja vordringlich, der Frage nach den Grundzügen verpflichtet
Humanities · Political science · Arts, Culture, and Music Studies · German Social Sciences and History · Philosophy · Sociology and Education Studies
| Unique citing works | 3 |
|---|---|
| Citations per year | 0,06 |
| Citation span | 1973 - 2010 (38) |
| Citation velocity | historical |
| Highly cited | No |
| Citation types | Neutral: 3 |